Wesen und Verstrickung

  • Aus Sicht der Arbeit mit Bewegungen der Seele können wir grundsätzlich Wesen und Verstrickung unterscheiden.
  • Wesen, lateinisch Essentia, althochdeutsch Wesan (Sein) bedeutet bei Dingen wie Personen die Hauptsache gegenüber der Nebensache, das Bleibende gegenüber dem Veränderlichen. Das Sein und unser Wesen als Mensch ist gekennzeichnet durch bestimmte Seinsqualitäten wie Liebe, Stärke, Neugier, Mitgefühl, Freude, Wille u.a.m.. Dieser Kern unserer Seele und unseres Seins ist grundsätzlich unverletzlich und immer anwesend.
  • Wir sind aber gleichzeitig verstrickt mit den Unvollkommenheiten des Feldes unserer Familie und unserer frühen Entwicklungsbedingungen. Wir bilden früh eine Persönlichkeitsstruktur, die oft auf sehr kreative Weise ein Zurechtkommen mit diesen Unvollkommenheiten ermöglicht, die aber andererseits sehr oft unseren bewussten Kontakt zu unserem Wesen und unseren Seinsqualitäten verschließt.
  • Unsere Arbeit mit Bewegungen der Seele zielt darauf ab, für die Seele ein Feld und einen Raum zu halten, in dem sie die eigenen Verstrickungen freundlich und mit Mitgefühl erkennen kann. Wenn eine Verstrickung in diesem Sinne ans Licht kommt, findet die Seele meistens eine Öffnung, eine Bewegung, eine Umorganisation, die offeneren Kontakt zum Wesen und zu den Seinsqualitäten ermöglicht.
  • In der Aufstellungsarbeit beschäftigen wir uns mit den systemischen Verstrickungen aus dem Feld der Familie des Klienten und mit den frühen Beziehungserfahrungen zu seinen Eltern. Wie alle psychotherapeutischen Ansätze sehen wir, welch großen Einfluss diese auf seine Persönlichkeit, sein Fühlen, Denken und Handeln haben. Die hier folgende Stichwortsammlung gibt eine kleine Einführung in die Wirkungsweisen dieser frühen Prägungen, d.h. der Entwicklungsbedingungen in den ersten 12 Monaten und den ersten 3 Jahren.

Das Kind spürt und ist beeinflusst von

  • Zustand und Beziehungsangeboten der Mutter in der Schwangerschaft und in den ersten Lebensjahren. Gesundheit, Beziehung, wirtschaftliche Situation, Zufriedenheit im Leben, …
  • Zustand und Beziehungsangeboten des Vaters, wenn auch zunächst meist etwas weniger einflussreich
  • Beziehung der Eltern, Nest-Schwingung
  • Frühen differenzierten Lernerfahrungen

Das Kind hat einfache Grundbedürfnisse

  • Nahrung, Wärme
  • Beziehungen
  • Erlaubnis und Gelegenheit für frühe sich differenzierende Lernangebote und Erfahrungen

Das Kind braucht frühe Beziehungen mit bestimmten wichtigen Qualitäten

  • Halt, Sicherheit, Geborgenheit
  • Berührungen in differenzierten Qualitäten, Reibung, Streicheln, Küsse, Körperkontakt
  • Gesehensein, liebender glücklicher Augenkontakt v.a. zu Mutter
  • Verlässlichkeit, jemand kommt, wenn ich schreie
  • Frei sein von Funktion für den Anderen

Wichtig ist zudem die Erlaubnis und Gelegenheit für

  • Eigene Impulse, laut sein, schreien, lachen, sich bewegen, strampeln
  • Etwas selbst tun, greifen, beeinflussen können
  • Wollen und insistieren
  • Nein „sagen“, nicht wollen
  • Wachsen und lernen, umdrehen, krabbeln, stehen, gehen
  • Sauberkeitserziehung, Stolz sein dürfen auf eigene Ausscheidungen
  • Sprechen, Muttersprache der Eltern, selber sprechen üben (vs.TV)
  • (etwas später) Interaktion unter anderen Kindern

Diese wichtigen Entwicklungsbedingungen können gestört sein durch

  • Mangel, etwas fehlt gravierend und bleibend
  • Traumatische einzelne oder wiederholte Erfahrungen
  • Konflikte zwischen Grundbedürfnissen, meist der Liebe zu den Eltern und
  • schonen müssen, nicht laut sein
  • Loyalität zu einem von beiden

Das Kind muss dann früh Organisationsprozesse und Strukturen entwickeln, um mit diesen Unvollkommenheiten zurecht zu kommen

  • Keine Flucht oder Abwehr möglich
  • Keine Sprache, Verstehen, Einordnen möglich
  • Nur innere Selbstorganisation, die irgendwie Überleben möglich macht
  • Die Persönlichkeitsstruktur, die das Kind in dieser Situation ausbildet, ist oft kreativ und geradezu genial, oft auch im späteren Leben in mancherlei Hinsicht erfolgreich und wertvoll, in anderer Hinsicht aber oft auch dysfunktional und hinderlich. Sie trennt das Kind vom eigenen Wesen, die natürlichen Seinsqualitäten werden unbewusst und unverfügbar.
  • Diese Persönlichkeitsstrukturen können sich im Laufe der inneren Arbeit mit Zeit und in einem Feld, das Halt, Mitgefühl und wohlwollende und wissende Orientierung anbietet, öffnen. Das früher unter den Verstrickungen verborgene Wesen und die Seinsqualitäten können wieder spürbar auftauchen und das Leben frisch, lebendig, liebevoll, stark, neugierig und erfüllt werden lassen.

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