PRINZIPIEN

Definition Symptom Als Symptom verstehe ich in der Aufstellungsarbeit ein Phänomen (oder eine Gruppe von Phänomenen mit einer gemeinsamen Qualität), das

  • vom Klienten nicht gewollt ist
  • über längere Zeit stabil bleibt
  • und wie ein Zwang wirkt zu wiederholtem Erleben, Tun oder Grübeln ohne Ergebnis

Diese können sein

  • Körpersymptome
  • psychische Symptome
  • Muster von Gedanken oder Handlungen ohne Zielerreichung

Es gibt auch Krankheiten und Symptome, die anders zu verstehen und zu behan­deln sind wie z.B. weitgehend somatisch bedingte Beschwerden durch Infektionen, Knochenbrüche, Vergiftungen usw. Leid ist nicht grundsätzlich gleichzusetzen mit einem Symptom. Es gibt reales, angemessenes Leid, zum Beispiel den seelischen Schmerz über einen Verlust oder den körperlichen Schmerz bei einer Verletzung. Es wäre unangemessen, solches Leid durch eine Aufstellung unterbrechen oder mindern zu wollen.

DAS SYMPTOM HAT EINEN UNBEWUSSTEN SINN

In der Aufstellungsarbeit gehen wir davon aus, dass das Symptom ein unbe­wusstes Ziel, einen unbewussten Sinn hat. Durch das Symptom drängt ein Problem in der Seele des Klienten zum Ausdruck. Der Klient wird zu einer fälligen Einsicht, einem fälligen Vollzug, einem Schritt in Richtung Wachstum und Reifung gezwungen. Das Symptom wird als Freund, als Unterstützer für persönli­ches Wachstum gesehen. Die Arbeit richtet sich nicht gegen das Symptom, sondern geschieht in freundlichem Interesse für seinen unbewussten Sinn. Es geht darum, das Ziel und den Sinn des Symptoms zu verstehen und den fälligen Vollzug auf direkte, sehende und gesunde Weise zu finden, das heißt möglicher­weise dann ohne den Umweg über das Symptom. Symptome können, um ein paar Beispiele zu nennen, Ausdruck sein von

  • einer Leere oder einem Mangel, wenn ein Klient seine Eltern nicht genommen hat.
  • Oder sie können Ersatz sein für eine fällige Handlung oder Bewegung, wie z.B. etwas Unabänderlichem zustimmen, einen Schmerz zulassen, jemanden als zugehörig sehen, jemanden oder etwas würdigen, jemanden oder etwas los­lassen, eine Entscheidung treffen, eine Schuld anerkennen.
  • Oder sie können eine unbewusste Nachfolge oder Übernahme phänomenolo­gisch ähnlicher Symptome eines Anderen im System als heimlicher Ausdruck von besonderer Liebe und Loyalität zu ihm sein.

 

HEILUNG IST IMMER SELBSTHEILUNG

Wenn der Therapeut der Illusion verfällt, er könne das Symptom heilen oder wegmachen, schwächt er sich, weil er sich überfordert und den Boden der Reali­tät verliert. Und häufig wird die Seele des Klienten sich schließen, um sich vor Übergriffen zu schützen. In der Regel können wir davon ausgehen, dass die Seele heil werden will, eine Bewegung zur Heilung finden will, den Fluss der Liebe, Lebensfreude und Gesundheit will. Und darauf vertrauen, dass die Seele die Bewegung zur Heilung selbst findet. Das heißt nicht, dass der Klient, sein Ego, das Symptom heilt. Diese Hybris würde den Klienten nur scheinbar stärken, ihn in Wirklichkeit aber überfordern und schwächen. Wichtig ist auch, zu sehen: Der Klient hat niemals Schuld am Symptom. Schuld­gefühle über das Symptom und das Misslingen der „Selbstheilung“ haben immer eine schwächende und zusätzlich belastende Wirkung. Krankheit muss immer auch als Schicksal gesehen und genommen werden. Häufig ist eine wesentliche hilfreiche Bewegung, dass der Klient sich vor dem Schicksal, gegebenenfalls sogar vor dem Tod verneigt.

PHÄNOMENOLOGISCHE ARBEIT

Die phänomenologische Aufstellungsarbeit geschieht im Vertrauen darauf, dass unter bestimmten Bedingungen die Seele selber eine Bewegung zur Heilung findet. Es gibt in der Seele des Klienten eine wesentliche Wirklichkeit und eine wesentliche fällige Bewegung, die bisher nicht gefunden werden konnte. Im offenen Raum der Aufstellung findet die Seele oft erstaunlich leicht diese Wirk­lichkeit und die fällige Bewegung. Im Wesentlichen müssen wir mit der Aufstellung nur

  • einen Raum halten, in dem die Phänomene und Bewegungen sich zeigen und ans Licht kommen können
  • warten und der Bewegung Zeit lassen
  • alle Sinne öffnen und wahrnehmen
  • so präzise und das Wesentliche treffend wie möglich benennen, was wir wahr­nehmen
  • und im richtigen Augenblick in der richtigen Weise handeln

Diese phänomenologische Arbeit geschieht ohne Absicht, ohne Druck, ohne Kontrolle, aber auch ohne Angst und Rücksicht. Sie dient genau genommen aus­schließlich dem Ziel, dass Wahrheit oder Realität ans Licht kommt. Die Bewegung zur Heilung ist dann eine Folge des Sichtbar-Werdens von Realität. Die phänomenologische Arbeit geschieht außerdem häufig über weite Strecken im Nicht-Wissen. Manchmal ergeben sich sehr schnell Hypothesen, dann ist es sinnvoll, diesem Impuls zu folgen und sie zu prüfen. Manchmal aber braucht es den Mut, längere Zeit gleichsam im Dunkeln, ohne zu wissen, was als nächstes zu tun ist, das Feld zu halten und zu lauschen im Vertrauen darauf, dass das Wesentliche sich von sich aus zeigen wird.

VORGEHENSWEISEN – VOR DER AUFSTELLUNG

Anliegenklärung Häufig ergibt sich aus der Benennung des Symptoms automatisch und auf stimmige Weise das Anliegen, die Heilung oder Linderung des Symptoms. Manchmal führt es den Prozess in die richtige Energie, sofort in Kontakt mit den Phänomenen in der Ausstellung zu gehen und auf vorheriges Erörtern des Anliegens und aller Gedanken und Interpretationen des Klienten zum Problem völlig zu verzichten, weil diese eher zu Allgemeinplätzen statt zum Wesentlichen führen würden. Manchmal jedoch ist es hilfreich und wichtig, dass der Klient positiv benennt, was anstelle des Symptoms in Zukunft in sein Leben treten soll. Welcher Zustand, welche Fähigkeit, welches Handeln, welche Kommunikation? Hier kann die Wun­derfrage hilfreich sein. Auftragsklärung Es gibt, einfach gesagt, im Klienten zwei Teile:

  • Ein Teil will ehrlich eine Lösung, die Heilung des Symptoms
  • Ein anderer Teil (seine seelische Verstrickung) will das Symptom für ein unbe­wusstes Ziel

Solange das Symptom besteht, ist der Teil, der das Symptom unbewusst will, offensichtlich stärker. Wenn der Aufsteller ausschließlich im Auftrag des offen­sichtlich schwächeren Teils (der oft dramatisch nach Lösung schreit) arbeitet, ist er hilflos. Der Aufsteller sollte deswegen darauf achten:

  • Spüre ich den Auftrag der Seele, das Symptom zu verstehen?
  • Spüre ich die Bereitschaft beim Klienten, die Exis­tenz und Stärke des eigenen Anteils, der das Symptom will, zu sehen?
  • Fühle ich mich unabhängig, leicht und handlungsfähig oder bin ich irgendwie gefangen als Teil des unbewussten Spiels?
  • Spüre ich starke Angst und Abwehr beim Klienten?

Zeigt sich bei der Prüfung dieser Fragen ein Problem, muss dies vorsichtig oder manchmal auch sehr klar konfrontiert werden. Eine effektive Arbeit ist sonst nicht möglich. Manchmal ist es hilfreich, zu Beginn eine kleine Aufstellung zu machen: Ein Stellvertreter für den Therapeuten, einer für den Klienten oder auch ein Stellvertreter für den Teil des Klienten, der die Lösung will und ein Stellvert­reter für den Teil des Klienten, der das Symptom aufrechterhalten will. Werden auf diese Weise diesbezügliche Probleme offensichtlich, kann der Klient sich manchmal leichter öffnen und zum Beispiel einer Vereinbarung zustimmen, sich einmal nur für die Dauer der Aufstellung auf die Hypothese einzulassen, es könnte in ihm selbst einen Teil geben, der das Symptom will. Manchmal ergibt sich aus dieser Aufstellung unmittelbar der wesentliche Prozess. Manchmal ist sie ein kleines Vorspiel und wird nach kurzer Zeit beendet. Dann folgt, wenn eine Basis gefunden ist, weitere vorbereitende Arbeit oder die eigent­liche Aufstellung. Benennen und funktionales und systemisches Verstehen des Symptoms Im Gespräch mit dem Klienten und im Stillen fragt der Aufsteller:

  • Wie fühlt sich das Symptom an? Wie äußert es sich? Was bringt es in die Erscheinung?
  • Was ist das Wesentliche Verbindende an den verschiedenen gleichzeitig auftre­tenden Symptomen?
  • Welche Handlung oder Bewegung vollzieht der Klient durch das Symptom immer wieder? Welches Ergebnis, welcher Vollzug misslingt? In welchen Zustand kommt der Klient durch das Symptom?
  • Welche Handlung oder Bewegung vollzieht der Klient durch das Symptom unvollständig oder gar nicht? Welcher Vollzug wird gezielt vermieden? Was wäre die normale Funktion des beeinträchtigten Organs?
  • Wer im System hat eine ähnliche Handlung/Situation erlitten, vollzogen oder nicht vollziehen können?

Manche konkrete Symptome haben erfahrungsgemäß typischerweise mit bestimmten systemischen Hintergründen zu tun. Manchmal entsteht beim Aufsteller schon durch die Art des Symptoms oder durch die Untersuchung der oben genannten Fragen eine Hypothese, die dann direkt in einer konkreten Aufstellung geprüft werden kann. Wenn nicht, kommen z.B. folgende weitere vorbereitende Schritte in Frage. Spüren des Symptoms Wenn das Symptom eher abstrakt und undeutlich ist, ist es hilfreich, den Klienten zu bitten, konkret im Körper zu spüren und das Symptom anschaulich zu beschreiben, seine genaue Stelle im Körper, seine Größe, Konsistenz, Farbe usw. Externes Symbol finden Ist das Symptom quälend groß und nah, zum Beispiel ein starker Schmerz, ist es hilfreich, ein außerhalb des Körpers und des Klienten existierendes Symbol zu finden. Man kann zum Beispiel den Klienten bitten, einen kleinen Spaziergang zu machen und in der Natur ein Blatt, einen Stein oder einen Zweig zu finden und mitzubringen, der das Symptom symbolisiert. Symptomtrance Eine oft sehr hilfreiche Methode, mit der Funktion und dem Sinn eines Symptoms in Kontakt zu kommen ist die geführte Symptomtrance.

  • Entspannung, Boden, Körper und Atem spüren
  • der Klient geht in der Vorstellung einen Weg durch Wiesen, in einen Wald, zu einer Lichtung
  • er setzt sich dort still nieder, eventuell an einem kleinen Weiher oder Bach
  • es erscheint ein Wesen (das das Symptom symbolisiert)
  • der Klient gibt dem Symptom, was es braucht
  • der Klient verneigt sich zum Abschied vor dem Symptom
  • er geht den Weg zurück ins Hier und Jetzt

Zeigt sich das Symptom in einem positiven, angenehmen Bild, zum Beispiel einer Blume oder einem freundlichen schönen Tier, wird bereits hier deutlich, dass der unbewusste Sinn des Symptoms ein Ausdruck von Liebe und Loyalität ist.

VORGEHENSWEISE BEI DER AUFSTELLUNG

Falls es bereits konkrete Hypothesen gibt, werden gezielt das komplette betref­fende System oder die betreffenden Personen, Organe oder Figuren aufgestellt. Falls nicht, kann mit der Aufstellung offen ohne Hypothese weiter geforscht werden. Handelt es sich vor allem um ein körperliches Symptom, kann ein besonderes SySt-Format hilfreich sein, die Körperstrukturaufstellung. Focus, evtl. Ziel, die beeinträchtigten Organe sowie weitere für deren eigentliche Funktion wichtige Organe werden aufgestellt, alle Organe werden gewürdigt. Oder, in der klassischen Symptomaufstellung werden einfach der Klient, das Symptom und dann Schritt für Schritt weitere mögliche systemische Hintergründe des Symptoms aufgestellt. Das Symptom wird i. d. R. als freies Element aufgestellt, es darf sich von Anfang an und während der gesamten Aufstellung frei bewegen. Oft ist es ein gutes Zeichen, wenn das Symptom sich zurückzieht vom Klienten. Die Erfahrung hat allerdings nicht bestätigt, dass in diesem Fall im Leben des Klienten tatsächlich immer Heilung geschieht. Die Aufstellung sucht weniger eine konkrete äußere Bewegung wie etwa den Rückzug des Symptoms, sondern eher ein den Klienten berührendes Ans-Licht-Kommen der Funktion des Symptoms. Wenn das gefun­den ist, zeigt sich manchmal, dass der Bann bereits gebrochen und ein zusätzli­cher Vollzug lösender Sätze oder Rituale gar nicht mehr nötig ist. Die Aufstellung wird Schritt für Schritt ausgehend vom Einfachsten aufgebaut. 1. Aufstellen von Klient und Symptom (oder Symptome)

  • Wie freundlich oder unfreundlich, wie nah, aktiv, gewichtig wirkt das Symptom/die Symptome?
  • Wie belastet, geschwächt, in Angst, in Abwehr, resigniert oder aber wie freundlich, kraftvoll, zugewandt, interessiert wirkt der Klient?
  • Wirkt er vielleicht geradezu selig mit dem Symptom?
  • Gibt es Bewegungen beim Klienten, auf die das Symptom verändert reagiert?
  • Was geschieht, wenn Klient und Symptom sich anschauen?
  • Haben Symptom und/oder Klient vielleicht deutliche Wahrnehmungen oder Einfälle, worum es geht?
  • Findet sich vielleicht ohne weiteres Eingreifen eine beginnende Bewegung der Seele hin zu Entspannung und Heilung?

2. Aufstellen weiterer Systemmitglieder oder Systemteile

  • Mutter und Vater des Klienten oder ein Stellvertreter für die Herkunftsfamilie des Vaters und ein Stellvertreter für die Herkunftsfamilie der Mutter
  • Frühere Partner

Muster systemischer Verstrickungsdynamiken als mögliche Hintergründe für Symptome und Schritte zu ihrer Lösung Jeder Mensch, jedes Symptom und jeder Moment ist individuell und verschieden von jedem anderen. In der Aufstellungsarbeit suchen wir das wesentliche Wirkliche und Fällige der seelischen Situation eines individuellen Menschen zu einem bestimmten Zeitpunkt. Während der praktischen Aufstellungsarbeit lauscht der Aufsteller offen, ohne Vorurteile und sucht das Wesentliche zu erfas­sen, so wie es sich selber zeigen will. Phänomenologische Aufstellungsarbeit ist offene Wahrnehmung, nicht das Durcharbeiten einer Checkliste von Möglichkei­ten. Andererseits haben wir in der Aufstellungsarbeit allgemein gültige systemische Gesetzmäßigkeiten, die Ordnungen der Liebe gefunden. Und es zeigen sich allgemeine Muster von systemischen Verstrickungen, die entstehen, wenn durch ein Ereignis im System oder die Haltung oder das Handeln von Menschen die Seele des Systems eine traumatische Verletzung erleidet. Die Wahrnehmung des Aufstellers ist schneller, präziser und gleichzeitig weiter, wenn er Kenntnisse hat bezüglich dieser allgemeinen Muster von systemischen Verstrickungen. Wir können vertraute Phänomene in der konkreten Situation wesentlich leichter als unbekannte Phänomene erkennen. Deswegen ist es für die Wahrnehmungskompetenz des Aufstellers notwendig, sich auch theoretisch vertraut zu machen mit der Logik dieses systemischen Denkens, mit der Art und Weise, wie wir in der Aufstellungsarbeit systemische Verstrickungen als Hinter­gründe für Symptome verstehen. Zusätzlich zum theoretischen Lernen ist für den Aufbau der Wahrnehmungskompetenz viel Erfahrung in der Beobachtung von Aufstellungsprozessen und der eigenen Wahrnehmung der hier in Rede stehen­den Phänomene nötig. Neben der Wahrnehmungskompetenz braucht der Aufsteller natürlich die Kom­petenz, geeignete Schritte zu einer Lösung hin zu finden. Wie bei der Wahrneh­mungskompetenz finden wir auch auf dem Feld der richtigen Schritte zur Lösung von Verstrickun­gen dieses Spannungsverhältnis zwischen dem notwendigen Einlassen auf das Nicht-Wissen und dem Finden des genau in diesem besonderen Fall Richtigen einerseits und der inspirierenden und auch eine gewisse Sicherheit gebenden Orientierung an allgemeinen Mustern andererseits. Im Folgenden gebe ich einen Überblick über Muster von systemischen Verstri­ckungsdynamiken als mögliche Hintergründe für Symptome, die in Aufstellungs­prozessen sichtbar werden und vielleicht gelöst werden können. Der Überblick formuliert die Sichtweise der phänomenologisch- systemischen Aufstellungsar­beit. Andere psychologische Schulen, zum Beispiel die Tiefenpsychologie, haben natürlich andere Sichtweisen, die hier weitgehend unberücksichtigt bleiben, obwohl viele Aufsteller auch z.B. tiefenpsychologisch oder konstruktivistisch-systemisch verstandene Hintergründe für Symptome in ihre Arbeit integrieren. Weder die Aufzählung der möglichen Hintergründe noch musterhafte Hinweise auf mögli­cherweise fällige Schritte zu einer Lösung können vollständig sein. Dazu ist seeli­sches Geschehen grundsätzlich zu kompliziert und individuell. Eine wertvolle Inspiration zum Aufbau der Wahrnehmungs- und Handlungskompetenz des Aufstellers ist ein solcher Überblick sicherlich dennoch.   Dynamiken des Nicht-Nehmens der Eltern und der Anmaßung

  • Unterbrochene Hinbewegung, v. a. zu Mutter oder Vater durch
    • Weggabe des Kindes zur Adoption
    • Unbekannt bleiben des Vaters
    • frühen Verlust von Mutter oder Vater
    • eine andauernde Nicht-Zuwendungsfähigkeit bei Mutter und/oder Vater, wenn diese ihrerseits einschneidende Verlusterfahrungen (siehe
    • unten Verlustdynamiken) und eine Nachfolgetendenz haben oder traumatisiert oder anders schwer belastet sind
    • ein frühes längeres Trennungsereignis, z.B. Krankenhausaufenthalt
  • Anmaßung in Form von Triangulierung, Klient als Partnerersatz für einen Elternteil in Verbindung mit Verachtung des anderen Elternteils
  • Anmaßung in Form von Parentifizierung, Klient als Elternersatz für vermeint­lich oder tatsächlich schwache Eltern/Elternteil

In all diesen Fällen zeigt sich als Symptom zunächst und allgemein mehr oder weniger auffällig ein Zustand von Leere und Mangel an Lebenskraft und Lebens­freude. Zudem ist die Bindungs- und Beziehungsfähigkeit beeinträchtigt, weil das innere Bild von Beziehung von diesem Modell nicht erfüllender Beziehung und nicht fließender Liebe zu den Eltern geprägt ist. Diese Wirkung haben neben anderen spezifischen Folgen auch andere weiter unten beschriebene Verstrickungsdynamiken wie Nachfolge und Übernahme, Identifikation, Verlust und andere, sofern sie auf Mutter und oder Vater bezogen sind. Lebenskraft und Lebensfreude sowie Beziehungsfähigkeit sind immer beeinträchtigt, wenn die Liebe zu den Eltern verstrickt ist und nicht frei fließt. Fühlt der Klient sich im Aufstellungsprozess gut gehalten und gelingt es ihm, sich tief einzulassen, öffnen sich typischerweise nacheinander immer tiefere Schichten der wirklichen Gefühle.

  • Überheblichkeit und Verachtung, Gleichgültigkeit, „Ich brauch Dich nicht“
  • Wut, Ärger, Vorwurf „warum hast du…?“ …
  • tiefer Schmerz, Verzweiflung „Du hast mir so gefehlt“
  • tiefe Liebe und Sehnsucht

Nachfolge- und Übernahme- Dynamiken

  • Verstrickte Liebe und Loyalität zu Mutter oder Vater oder einem Geschwister oder einem Anderen im System
  • Nachfolge-Tendenz in den Tod
  • Nachfolge in ein phänomenologisch ähnliches Schicksal, Gefahren suchen oder Symptom. „Ich folge dir nach, Ich bin dir nah, Ich mache es wie du“
  • Übernahme einer Last, einer Pflicht, eines Schicksals, einer Krankheit oder Symptoms. „Lieber ich als du.“

Identifikationsdynamiken mit Ausgeschlossenen Unbewusste Identifikation mit einer ausgeschlossenen Person im System, z.B.

  • früh gestorbenes oder tot geborenes Kind
  • eigener leiblicher Vater (bei unterschobenem Kind)
  • leibliche Eltern (bei Adoption)
  • frühere Partner der Eltern
  • Kinder aus früheren oder späteren Beziehungen der Eltern
  • aus Vorwurf, Angst oder Habgier ausgeschlossene Personen

Unbewusste Wiederholung eines nicht gesehenen, d.h. ausgeschlossenen beson­deren Schicksals oder besonderer Leistungen einer Person im System Verlust-Dynamiken

  • Beim Klienten selbst nicht verschmerzte Verlusterfahrung, z.B.
    • eines Kindes
    • von Mutter oder Vater
    • eines Geschwisters oder eines anderen nahen Angehörigen
    • der Heimat
    • eines Hofes, einer Firma, eines Vermögens
    • der Gesundheit, eines Organs, der Lebensqualität
    • eines Weltbildes und Wertesystems (z.B. DDR)
  • bei Vater oder Mutter des Klienten nicht verschmerzte Verlustdynamiken mit der Folge einer Nicht-Zuwendung zum Kind, unterbrochene Hinbewegung
  • Ein Sonderfall ist der plötzliche Tod, jemand im System ist sehr plötzlich gestor­ben, zum Beispiel durch Unfall. Es kann passieren, dass seine Seele gebunden bleibt und ohne besondere Hilfe nicht versteht, dass sie gestorben ist.

Sühnedynamiken

  • unbewusste Sühne für nicht anerkannte persönliche Schuld
  • Anmaßung wirkt in der Seele wie Schuld und kann unbewusst gesühnt werden
  • unbewusste Sühne für die übernommene Schuld eines anderen im System
  • ein Sonderfall ist ein nicht angemessen angeschautes abgetriebenes Kind, hier kommt zur Sühnedynamik eine spezifische Verlustdynamik

Deutlich zu unterscheiden von Schuld und Sühne im Sinne unbewusster Selbstbestrafung durch ein Symptom sind Schuldgefühle und Selbstattacken, denen keine wirkliche Schuld zu Grunde liegt. Missbrauchsdynamik

  • Mutter ist ihrerseits verstrickt, zum Beispiel an einen Toten gebunden, und gibt dem Partner seelisch und/oder sexuell nicht, was er braucht.
  • Vater (wenn selber verstrickt) greift blind nach der nächsten Frau, sieht nicht, dass es die Tochter ist und es geschieht faktischer sexueller Missbrauch.

Oder aber Vater schützt die Tochter durch

  • Wegschieben, Abwehren und Abwerten der Tochter
  • eine Geliebte nehmen
  • Trennung von Mutter

Oder aber die Missbrauchsdynamik verwirklicht sich an anderer Stelle im System, durch einen Bruder, Nachbarn oder Onkel, die Tochter nimmt alles auf sich und schützt auch den Vater. Täter-Opfer-Dynamiken

  • Der Klient selber war Opfer eines Verbrechens und ist mit dem Täter verbunden
  • Der Klient selber war Täter eines Verbrechens und ist mit dem Opfer verbun­den
  • Mutter oder Vater oder Großeltern oder andere im System des Klienten waren Opfer oder Täter eines Verbrechens

Dynamiken kollektiver Traumata

  • Holocaust, Kriegsverbrechen im zweiten Weltkrieg
  • Andere Kriege und Bürgerkriege
  • Sklaverei

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